Fortbildung im Bereich Atmung, Sprechen, Stimme

Rückblick 24. BNTT ausSprechen – anSprechen – beSprechen

Rückblick
24. Bad Nenndorfer Therapietage 2019:
ausSprechen – anSprechen – beSprechen
22.-23. November 2019

Sehen Sie sich hier das Rückblickvideo der 24. BNTT 2019 an

Es herrschte eine fröhliche Stimmung in Bad Nenndorfs Wandelhalle am 22. und 23. November. Wer hätte gedacht, dass es sich um Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Fortbildungstagung aus den sprach-, sprech-, stimm- und schlucktherapeutischen Arbeitsbereichen handelte, die da zusammengekommen waren?! Die 24. Bad Nenndorfer Therapietage: ausSprechen – anSprechen – beSprechen des CJD-Instituts Schlaffhorst-Andersen fanden viel Anklang bei ihren BesucherInnen.

Eröffnet wurden die Therapietage am Freitag Morgen durch Tagungsleiterin Sibylle Tormin und mit einem Grußwort durch die stellvertretende Schulleiterin Sonja Wolfram

und, wie immer, wenn das Konzept Schlaffhorst-Andersen im Spiel ist, mit einstimmenden musikalischen Beiträgen, diesmal u.a. aus dem Musical Funny Girl, dargeboten von Lilian Leyhausen und Heike Lindemann.

Der Eröffnungsvortrag wurde von Prof. Dr. Martin Sommer von der Uni Göttingen gehalten. Unter dem Titel Zur Ein-Stimmung Ihres Gehirns auf (un)flüssiges Sprechen erläuterte er unter anderem neuere bildgebende und elektrophysiologische Methoden aus der Forschung, aus denen sich Erkenntnisse zu Struktur und Funktion des Gehirns stotternder Erwachsener ableiten lassen. 

Er ging dabei auch auf die Therapie des Stotterns und deren Herausforderungen ein. Neben dem Erlernen von Sprechtechniken müssen dabei weitere Veränderungsbereiche berücksichtigt werden, etwa Kommunikationsverhalten und soziale Ängste. Auch Selbsthilfegruppen können dazu beitragen, die Prognose von Stottern im Erwachsenenalter zu verbessern. 

Prof. Sommer ist selbst von Stottern betroffen und derzeit Vorsitzender der Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe (BVSS). Mit viel Humor rief er am Ende zu einem Wettbewerb auf: Wer ein brauchbareres deutsches Wort für „Selbsthilfegruppen“ findet, wird von Prof. Sommer mit einer Flasche Champagner belohnt.

Das Thema Stottern stand auch in zweien der sechs spannenden Seminare im Mittelpunkt, die am Freitag und am Samstag belegt werden konnten.

So brachten Claudia Tasch und Ruth Ezeh in ihrem Seminar mit dem Titel Effektive Stottertherapie mit Schulkindern kann Spaß machen! den Teilnehmenden den Ansatz der „Hamburger Gruppentherapie für stotternde Schulkinder“, an deren Entwicklung sie beteiligt waren, nahe. Und der Spaß kam tatsächlich nicht zu kurz, wie gut gelaunte TeilnehmerInnen berichteten.

Claudia Tasch (links) und Ruth Ezeh

Dorothea Beckmann aus Münster beschäftigte sich mit Elementen individualisierter Stottertherapie für Erwachsene, indem unterschiedliche Bausteine einer ganzheitlichen und auf den Einzelnen abgestimmten Stottertherapie vorgestellt und praktisch erprobt wurden. Auch in diesem Seminar konnte, neben dem Erwerb wichtiger Kompetenzen, viel miteinander gelacht werden.

 

Als weiterer Bereich der Sprechtherapie stand die Einführung in die Diagnostik und Therapie von Dysarthrien im Mittelpunkt des Seminars von Alexandra Kopmann aus dem Landkreis Gifhorn. Dabei handelt es sich um eine Störung u.a. der Lautbildung, die meist durch Gehirnverletzungen verursacht wird. Die Teilnehmenden lobten vor allem die Mischung aus fundierter Theorie und praktischen Seminarinhalten.

Ein Nebenbereich der Sprechtherapie ist die Dysphagietherapie, die sich mit Schluckstörungen beschäftigt. Beim Seminar Funktionelle Dysphagietherapie mit und ohne Trachealkanüle musste wenige Tage vor Tagungsbeginn noch der kurzfristige Ausfall der Referentin kompensiert werden.

Doch Judith Frommert aus Freiberg am Neckar, die dankenswerterweise einspringen konnte, vermittelte die Inhalte souverän und anschaulich.

 

Alexandra Kopmann
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Judith Frommert

Da das Konzept Schlaffhorst-Andersen, das der Schule und dem Institut Schlaffhorst-Andersen seinen Namen gab, jedoch nicht nur therapeutische, sondern immer auch künstlerisch-pädagogische Inhalte hat, durften auch bei den 24. BNTT diese Bereiche nicht fehlen. Am Freitag führte der Musiker Daniel Barke aus Leipzig mit seinem Workshop „Ein Drumset to go, bitte!“ in das Beatboxing ein, bei dem scheinbar elektronische Musik und Rhythmen allein mit dem Mund erzeugt werden („Mouthpercussion“).
Das beschwingte Schnalzen und Zischen der Aktiven war auch in den Pausen zu hören.

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Daniel Barke
Oliver Mannel

Am Samstag führte Oliver Mannel aus Zürich mit „Du musst dein Leben ändern“ – durch Kunstwerke zum Sprechen inspirieren in ein sprechkünstlerisch-rhetorisches Konzept ein, das an der Zürcher Hochschule der Künste entwickelt wurde und in dem die Auseinandersetzung mit einem inspirierenden Kunstwerk aus Literatur, Musik, Film, bildender Kunst etc. selbst zum Kunstwerk wird.
Angeregt durch ein Sonett von Rainer Maria Rilke, in dem der Torso einer antiken Statue am Ende zum Betrachter spricht („Du musst dein Leben ändern“), entstanden im Seminar kreative und berührende Momente. Am Ende stand die Diskussion, inwieweit diese Arbeitsweise auch in der Sprach- und Stimmtherapie Einzug finden kann.

Nach zwei intensiven Seminartagen reisten die Besucher am Samstag Abend bereichert nach Hause, nachdem man sich auch in den Seminarpausen mit KollegInnen austauschen und fachlich informieren konnte: Als Aussteller waren dieses Mal u.a. der Stottern und Selbsthilfe Nord e. V. sowie Anbieter verschiedener therapeutischer Materialien, wie die Firma Prolog, anwesend. Für das leibliche Wohl sorgte wieder die Firma Hardekopf.