“Was brüllst du denn so?”

Geht (Be-)RUFSTIMME, ohne sich heiser zu schreien?

Workshopnummer: WS3

Was passiert, wenn die Sprechstimme, z.B. aus beruflichen Erfordernissen, an Lautstärke zunehmen muss? Sprechen, lauter und noch lauter … wird zu brüllen oder schreien! Und somit zu einer latenten Gefahr für die Stimmgesundheit des „Berufsrufers“. Oder?  

Erziehungs- und Lehrpersonal, Politiker/innen, Sporttrainer/innen (von Aerobic über Hockey bis Surfen u. v. m.), Feuerwehrleute, Rettungsschwimmer/innen, Tiertrainer/innen, Altenpfleger/innen (wir könnten diese Liste noch gehörig fortsetzen): Sie alle haben gemeinsam, dass ihr Beruf ihnen nicht nur Kompetenzen in ihrem jeweiligen Fachgebiet abverlangt; vorbereitet sind sie in den seltensten Fällen auf die stimmlichen Anforderungen, die sie darin zu bewältigen haben.  

  • Sie müssen: warnen, loben, rügen, trösten, erklären, anspornen, anpreisen, antreiben, plädieren, korrigieren, motivieren, rhythmisieren … Das alles bei Hitze und Kälte, in Räumen von ungünstigster Akustik und Luftbeschaffenheit, gegen Wind, Spiellärm und/oder Musik.  
  • Erforderlich ist die laute, ausdrucksstarke, durchsetzungsfähige, autoritäre, einfühlsame, alarmierende, schmeichelnde … und vor allem die tragfähige und belastbare Stimme. Und zwar vielfach im RUFmodus. Den ihnen keiner beigebracht hat. 

Stimmlich Ungeschulte versuchen, um laut zu werden, dies durch Kraftaufwand „im Hals“ zu erreichen; häufig geht eine Erhöhung der Stimmlautstärke mit gleichzeitiger Erhöhung der Stimmlage einher, was ebenso von unkontrolliert erhöhten Spannungszuständen im Kehlkopf zeugt. Alles zusammen kann bei häufigem und/oder länger andauerndem Tun zu Überlastung führen. 

Im Sinne des Konzepts Schlaffhorst-Andersen erzeugen wir die gesunde, physiologisch eingesetzte Rufstimme unter Einbeziehung des Bauch- und Beckenraumes, also mit Leibanschluss. Als Voraussetzung wird die Durchlässigkeit des gesamten Organismus angestrebt. Ein aktiver, gut angeschlossener Körper lässt die Phonation, bei geweiteten Resonanzräumen ohne Anstrengung im Hals, fast mühelos aus der Atemkraft heraus erfolgen. 

Der Workshop eignet sich für Rufstimm-Anfänger und -Auffrischer in bequemer Kleidung. Die Techniken können selbst genutzt oder weitergegeben werden. 

Literaturtipps

  • Lang, A.; Saatweber, M. (2011): Stimme und Atmung. Kernbegriffe und Methoden des Konzeptes Schlaffhorst-Andersen und ihre anatomisch-physiologische Erklärung. 2. überarb. Aufl. Idstein: Schulz-Kirchner. 
  • Spiecker-Henke, M. (2014): Leitlinien der Stimmtherapie. 2., vollst. überarb. u. erw. Aufl. Stuttgart: Thieme. 
  • Tormin, S. (2017): Stimme und Beruf. In: Rittich, E.; Tormin, S.; Bock, B.: Prävention von Stimmstörungen. Stuttgart: Thieme, 69-94. 

Termin: 29. Bad Nenndorfer Therapietage (BNTT) 2026 –
Schlaffhorst-Andersen in Wissenschaft und Praxis
             Samstag, 28.11.2026, 11:30 Uhr – 13:00 Uhr und/oder 14:30 Uhr – 16:00 Uhr
             Dauer: 90 Minuten

Referentin

Sibylle Tormin
Sibylle Tormin arbeitete 15 Jahre lang als Schauspielerin an verschiedenen deutschen Theatern, bei TV und Film sowie als Sprecherin für Szenische Lesungen, Synchronisation und Industriefilm. Von 2003 bis 2006 ließ sie sich an der Schule Schlaffhorst-Andersen Bad Nenndorf zur Staatlich geprüften Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin ausbilden und arbeitet seither dortselbst als Lehrerin in den Bereichen Sprechen, Bewegung und Pädagogik. Von 2017 bis Anfang 2026 leitete sie das Institut Schlaffhorst-Andersen. 2012 machte sie ihren B.Sc. in Speech and Language Therapy an der HAWK in Hildesheim sowie parallel 2014 den M.A. in Speech Communication and Rhetoric (Sprechwissenschaft / Sprecherziehung) an der Universität Regensburg. Seither arbeitet sie auch als Lehrbeauftragte für verschiedene rhetorische Themen sowie Bachelorprüferschaften an den Hochschulen Ostfalia Wolfenbüttel/Wolfsburg und HAWK Hildesheim. Ferner gibt sie Schulungen und Kommunikationsseminare in freier Tätigkeit als Sprech-, Stimm- und Rhetoriktrainerin (u.a. Beatrix Schwarzbach Rhetorik Training, Berlin).

Von ihr als Autorin erschienen:  

  • Artikel Der Zusammenhang persönlicher Eigenschaften und stimmlicher Merkmale bei Sprechern (2013) in: sprechen, Zeitschrift für Sprechwissenschaft – Sprechpädagogik – Sprechtherapie – Sprechkunst; 30 (56), 71 – 81. 
  • Beitrag Kompetenter wirken durch gezieltes Stimmtraining? Über Möglichkeiten, zu beeinflussen, was andere uns zutrauen (2015) in: Teuchert, B. (Hrsg.): Mündliche Kommunikation lehren und lernen. Facetten der Rhetorik in Schule und Beruf; Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, 99 – 106. 
  • Buch Prävention von Stimmstörungen für Angehörige stimmintensiver Berufe, zusammen mit Rittich, E. und Bock, B. (2018); Stuttgart: Thieme. 
  • Artikel Was tun, BEVOR die Stimme streikt? Prävention von Stimmstörungen in lehrenden und therapeutischen Berufen (2019) in: Sprachförderung und Sprachtherapie in Schule und Praxis; 8 (4), 211 – 217. 
  • Kapitel Stimmhygiene in: Spiecker-Henke, M. (Hrsg.): Sprechen – gewusst wie. Von der Artikulation zur Kommunikation; Stuttgart: Thieme (2025).