Stimme anders hören
Wie sich die auditive Eigenwahrnehmung in wenigen Minuten grundlegend verändern kann
Vortragsnummer: V2
Was hören wir, wenn wir eine Stimme beurteilen? Tonhöhe, Vokal, Klangfarbe, Rauigkeit, Resonanz? Und hören zwei Menschen tatsächlich dasselbe?
Erstaunlicherweise kann sich die Wahrnehmung innerhalb weniger Minuten grundlegend verändern. Klänge, die zunächst selbstverständlich als Sprache oder Vokal wahrgenommen werden, lassen sich nach einer kurzen Anleitung plötzlich spektral hören: Einzelne Obertöne treten hervor, Resonanzen werden als Tonhöhen erkennbar und die vertraute Stimme bekommt eine zweite, zuvor kaum zugängliche klangliche Dimension.
Die Teilnehmenden können diesen Wahrnehmungswechsel im Vortrag unmittelbar an sich selbst erleben. Anschließend wird gezeigt, was dabei im Gehirn geschieht. Eine aktuelle MEG-Studie zur Wahrnehmung „harmonischer Vokale“ weist beim Übergang von sprachbezogenem zu spektralem Hören charakteristische Veränderungen neuronaler Oszillationen und eine deutliche Beteiligung rechtshemisphärischer auditiver Verarbeitung nach. Die Art, wie wir einen Stimmklang organisieren und interpretieren, scheint erheblich flexibler zu sein, als es unser alltägliches Hören vermuten lässt.
Für die Stimmarbeit eröffnet dies eine ungewohnte Perspektive: Was geschieht, wenn Klient lernen, Resonanz nicht nur körperlich zu spüren oder klanglich zu beschreiben, sondern differenzierter zu hören? Welche Rolle spielt die auditive Eigenwahrnehmung für Stimmsteuerung und Lernprozesse? Und lässt sich ein bisher wenig beachteter Wahrnehmungsmodus gezielt für die Arbeit mit Stimme erschließen?
Der Vortrag verbindet ein überraschendes eigenes Hörerlebnis mit aktuellen Erkenntnissen aus Akustik, Phonetik und Neurowissenschaft – und lädt dazu ein, die Stimme anschließend mit anderen Ohren zu hören.
Termin: 29. Bad Nenndorfer Therapietage (BNTT) 2026 –
Schlaffhorst-Andersen in Wissenschaft und Praxis
Samstag, 28.11.2026,
Dauer: 30 Minuten
Referent
